Thermoplastische Polyurethane (TPU) Spritzguss bei Mythentec

Leistungsstarke Fertigung
auf höchstem Niveau

Thermoplastisches Polyurethan verbindet die elastischen Eigenschaften klassischer Elastomere mit der thermoplastischen Verarbeitbarkeit von Kunststoffen. Im TPU-Spritzguss lassen sich dadurch flexible, verschleissfeste und mechanisch belastbare Formteile in reproduzierbarer Qualität herstellen. Je nach Materialtyp kann das Eigenschaftsprofil unter anderem auf hohe Elastizität, Abriebfestigkeit, Kälteflexibilität, Medienbeständigkeit oder eine bestimmte Oberflächenhaptik ausgerichtet werden. TPU eignet sich sowohl für eigenständige technische Formteile als auch für Hart-Weich-Verbindungen im Mehrkomponenten-Spritzguss. Die erfolgreiche Umsetzung setzt jedoch eine präzise Abstimmung zwischen Materialauswahl, Bauteilgeometrie, Werkzeugtechnik und Prozessführung voraus.

Mythentec begleitet TPU-Projekte von der werkstoffgerechten Bauteilauslegung über Werkzeugbau und Bemusterung bis zur dokumentierten Serienproduktion. Auf modernen Anlagen für das Ein- und Mehrkomponenten-Spritzgiessen entstehen technische Kunststoffbauteile für unterschiedliche industrielle und medizintechnische Anwendungen.

LEISTUNGS PROFIL

Thermoplastische Polyurethane gehören zur übergeordneten Werkstoffgruppe der thermoplastischen Elastomere. TPU ist somit ein TPE, weist innerhalb dieser Gruppe jedoch ein eigenständiges Eigenschaftsprofil auf. Der Werkstoff besteht aus elastischen Weichsegmenten und festeren Hartsegmenten.

Im Unterschied zu chemisch vernetzten Elastomeren wird TPU bei erhöhter Temperatur plastisch verformbar. Das Material kann deshalb auf konventionellen Spritzgiessmaschinen verarbeitet werden und erstarrt beim Abkühlen wieder. Dieser reversible Prozess ermöglicht eine wirtschaftliche Fertigung komplexer Formteile mit kurzen bis mittleren Zykluszeiten.

Zu den charakteristischen Eigenschaften geeigneter TPU-Typen zählen unter anderem eine hohe Abriebfestigkeit, ein guter Weiterreisswiderstand und ein ausgeprägtes elastisches Rückstellvermögen. Viele Typen verfügen ausserdem über eine hohe Schlagzähigkeit, gute Dämpfungseigenschaften und Flexibilität bei niedrigen Temperaturen.

Die konkreten Eigenschaften hängen stets vom gewählten TPU-Typ ab. Aussagen zur Medienbeständigkeit, UV-Stabilität, Temperaturbelastbarkeit oder Biokompatibilität können daher nicht pauschal auf die gesamte Werkstoffgruppe übertragen werden. Für die Materialauswahl müssen die späteren Einsatzbedingungen und funktionalen Anforderungen des Bauteils vollständig betrachtet werden.

Polyester-TPU und Polyether-TPU im Vergleich

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist die chemische Basis der Weichsegmente. In technischen Anwendungen kommen insbesondere polyester- und polyetherbasierte TPU-Typen zum Einsatz.

Polyester-TPU zeichnet sich typischerweise durch hohe mechanische Festigkeit, gute Abriebfestigkeit und eine vergleichsweise gute Beständigkeit gegenüber Mineralölen und vielen technischen Fetten aus. Diese Werkstofftypen eignen sich daher häufig für mechanisch und tribologisch beanspruchte Formteile. Bei dauerhaftem Kontakt mit Feuchtigkeit, warmem Wasser oder mikrobiell belasteten Umgebungen muss ihre Eignung jedoch genau geprüft werden.

Polyether-TPU bietet in der Regel Vorteile bei Hydrolysebeständigkeit, Mikrobenbeständigkeit und Kälteflexibilität. Es kann deshalb für Bauteile geeignet sein, die Feuchtigkeit, wechselnden Temperaturen oder tieferen Einsatztemperaturen ausgesetzt sind. Auch hier unterscheiden sich die verfügbaren Materialtypen hinsichtlich Härte, Festigkeit und chemischer Beständigkeit.

Neben der Einteilung in Polyester- und Polyether-TPU wird zwischen aromatischen und aliphatischen Typen unterschieden. Aromatische TPU-Werkstoffe decken einen grossen Teil der technischen Standardanwendungen ab. Für transparente, helle oder dauerhaft UV-exponierte Bauteile können aliphatische Spezialtypen erforderlich sein, da herkömmliche aromatische TPU-Typen bei Licht- und UV-Einwirkung zu Verfärbungen neigen können.

Eine zu hohe Restfeuchte kann während der Plastifizierung zum Abbau der Polymerketten führen. Mögliche Folgen sind Schlieren, Blasen, matte Oberflächen, schwankendes Fliessverhalten und eine Verringerung der mechanischen Eigenschaften.

Vor der Verarbeitung ist deshalb in der Regel eine fachgerechte Vortrocknung erforderlich. Trocknungstemperatur und Trocknungsdauer richten sich nach dem konkreten Materialtyp und den Vorgaben des Werkstoffherstellers. Auch die Lagerung und Materialbereitstellung zwischen Trocknung und Verarbeitung müssen so organisiert sein, dass eine erneute Feuchtigkeitsaufnahme vermieden wird.

TPU reagiert zudem empfindlich auf unnötig hohe thermische Belastungen. Massetemperatur, Verweilzeit und Schneckendrehzahl müssen auf das Material und das Schussvolumen abgestimmt werden. Eine zu lange Verweilzeit oder eine übermässige Scherbeanspruchung kann zu Materialabbau, Verfärbungen oder einer Veränderung der Bauteileigenschaften führen. Dies ist insbesondere bei kleinen Schussgewichten im Verhältnis zum Plastifizieraggregat zu berücksichtigen.

Auch das Fliess- und Erstarrungsverhalten unterscheidet sich zwischen weichen und harten TPU-Typen. Weiche Einstellungen können bei der Entformung leichter gedehnt oder verformt werden und benötigen je nach Geometrie längere Kühlzeiten. Härtere Varianten stellen wiederum andere Anforderungen an Temperaturführung, Fliesswege und Druckübertragung.

TPU kann sowohl im Einkomponenten- als auch im Zweikomponenten-Spritzguss verarbeitet werden. Im 2K-Spritzguss lassen sich beispielsweise weiche Funktionsbereiche direkt mit einem harten thermoplastischen Grundkörper verbinden. Typische Funktionen sind Dichtung, Dämpfung, Griffigkeit, Schutz oder Schwingungsentkopplung.

Die elastischen Eigenschaften von TPU eröffnen vielfältige konstruktive Möglichkeiten, erfordern jedoch eine werkstoffgerechte Auslegung. Wanddicken, Übergänge, Rippen, Durchbrüche und Entformungsrichtungen beeinflussen nicht nur die Formfüllung, sondern auch Verzug, Schwindung und das Verhalten des Bauteils bei der Entformung.

Möglichst gleichmässige Wanddicken unterstützen eine homogene Abkühlung und reduzieren das Risiko von Einfallstellen, Lufteinschlüssen und inneren Spannungen. Grössere Wanddickensprünge sollten vermieden oder durch fliessende Übergänge ausgeführt werden. Radien an Innen- und Aussenkanten verbessern den Materialfluss und reduzieren lokale Spannungsspitzen bei späterer mechanischer Belastung.

Entformungsschrägen sind bei TPU besonders wichtig. Obwohl sich flexible Bauteile während der Entformung begrenzt dehnen können, darf diese Elastizität nicht als Ersatz für ein entformungsgerechtes Design betrachtet werden. Zu geringe Entformungsschrägen können zu hoher Auswerferbelastung, Oberflächenbeschädigungen oder dauerhafter Verformung führen. Strukturierte oder genarbte Oberflächen benötigen in der Regel grössere Entformungswinkel als glatte Flächen.

Rippen, Dichtlippen, Rastbereiche und Filmscharniere müssen auf die jeweilige TPU-Härte abgestimmt werden. Sehr dünne oder filigrane Elemente können hohe Anforderungen an Fliessfähigkeit, Entlüftung und Werkzeugpräzision stellen. Bei dauerhaft belasteten elastischen Bereichen sind ausserdem Kriechverhalten, Spannungsrelaxation und möglicher Druckverformungsrest zu berücksichtigen.

Bei Hart-Weich-Bauteilen ist die Grenzfläche zwischen TPU und Trägerkunststoff bereits in der Konstruktion zu planen. Die geeignete Ausführung hängt davon ab, ob der Verbund vorwiegend chemisch haftend, formschlüssig oder durch eine Kombination beider Prinzipien erzeugt wird. Im Rahmen der kunststoffgerechten Entwicklung unterstützt Mythentec bei der Abstimmung von Material, Geometrie und Herstellungsverfahren.

Das Werkzeugkonzept wird an die Fliessfähigkeit, Härte und Entformungsempfindlichkeit des gewählten TPU-Typs angepasst. Besondere Bedeutung haben Anspritzung, Entlüftung, Temperierung und Auswerferkonzept.

Die Anschnittposition beeinflusst Fliessweg, Bindenähte, Druckbedarf und Orientierung des Materials. Anschnitte und Verteiler müssen ausreichend dimensioniert und strömungsgünstig ausgeführt werden, damit übermässige Scherung und unnötige Druckverluste vermieden werden. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, an welcher Stelle der Anschnitt nach dem Entformen abgetrennt wird und welche optischen oder funktionalen Anforderungen an diesen Bereich bestehen.

Eine wirksame Werkzeugentlüftung unterstützt die vollständige Formfüllung und reduziert das Risiko von Verbrennungen, sichtbaren Fliessfehlern oder unvollständig ausgeformten Details. Entlüftungsbereiche sind insbesondere an den Enden längerer Fliesswege, an Bindenähten und in dünnwandigen Funktionszonen vorzusehen.

TPU ermöglicht je nach Materialtyp und Werkzeugoberfläche sowohl glatte und glänzende als auch matte, strukturierte oder griffige Bauteiloberflächen. Die spätere Oberflächenwirkung wird nicht nur durch die Werkzeugstruktur bestimmt. Materialhärte, Pigmentierung, Werkzeugtemperatur, Fliessverhalten und Entformungsbedingungen beeinflussen das sichtbare Ergebnis ebenfalls.

Strukturierte Oberflächen können die Haptik verbessern, Reflexionen reduzieren oder kleinere Gebrauchsspuren optisch weniger auffällig machen. Bei der Auslegung muss jedoch berücksichtigt werden, dass tiefe Narbungen die Entformung erschweren und entsprechend grössere Entformungsschrägen erfordern können.

TPU lässt sich in vielen Farbtönen einfärben. Farbbatches und Additive müssen mit dem Grundmaterial und den vorgesehenen Einsatzbedingungen kompatibel sein. Bei hellen, transparenten oder farbstabilen Bauteilen sind UV-Einwirkung, Materialbasis und mögliche Farbveränderungen während der Verarbeitung besonders zu beachten.

Eine nachträgliche Bedruckung, Kennzeichnung, Beschichtung oder Verklebung ist material- und verfahrensabhängig möglich. Die vergleichsweise niedrige Oberflächenenergie einzelner TPU-Typen kann jedoch eine Vorbehandlung oder speziell abgestimmte Farb- und Klebstoffsysteme erforderlich machen. Die Eignung sollte deshalb unter realistischen Serienbedingungen geprüft werden.

Je nach Projekt übernimmt Mythentec neben dem Spritzgiessen auch nachgelagerte Arbeitsschritte und die Weiterverarbeitung der Kunststoffbauteile. Dazu können beispielsweise Montage, Prüfung, Kennzeichnung oder die Zusammenführung zu Baugruppen gehören.

Anwendungen und Branchen für TPU-Spritzgussteile

Im TPU-Spritzguss entstehen häufig technische Serienbauteile, bei denen neben der Geometrie auch Anforderungen an Rückstellvermögen, Verschleissfestigkeit, Dämpfung oder Oberflächenhaptik berücksichtigt werden. Als eigenständiger Werkstoff oder als Weichkomponente eines Mehrkomponentenbauteils kann TPU mehrere Funktionen innerhalb eines Formteils übernehmen.

Typische Anwendungsfelder sind unter anderem:

  • Maschinenbau und industrielle Technik
    Dämpfungselemente, Schutzkappen, flexible Verbindungselemente, Rollen, Anschläge oder verschleissbeanspruchte Funktionsbauteile. Je nach Anwendung stehen Abriebfestigkeit, Rückstellvermögen oder die Beständigkeit gegenüber Ölen und Fetten im Vordergrund.
  • Automatisierungstechnik
    Flexible Abdeckungen, Greifelemente, Schutzkomponenten, Kabeldurchführungen oder dämpfende Schnittstellen innerhalb automatisierter Anlagen. TPU kann dabei mechanischen Schutz mit elastischer Verformbarkeit verbinden.
  • Elektrotechnik und Elektronik
    Knickschutzelemente, Kabelkomponenten, Dichtbereiche, flexible Gehäusebestandteile oder stossdämpfende Schutzzonen. Die konkrete Materialauswahl richtet sich unter anderem nach elektrischen, thermischen und brandschutztechnischen Anforderungen.
  • Fahrzeugtechnik und Mobilität
    Dicht-, Dämpfungs- und Schutzelemente, flexible Bedienteile, Leitungsführungen oder abriebbeanspruchte Komponenten. Medienkontakt, Temperaturwechsel und langfristige mechanische Belastung müssen bei der Werkstoffauswahl berücksichtigt werden.
  • Medizintechnik
    Flexible technische Komponenten für Geräte, Instrumente und Systeme, bei denen reproduzierbare Prozesse, definierte Materialien und dokumentierte Produktionsparameter erforderlich sind. Für entsprechende Anwendungen dürfen nur speziell geeignete und regulatorisch bewertete TPU-Typen eingesetzt werden. Mythentec fertigt bei Bedarf unter kontrollierten Bedingungen im Bereich Medtech.
  • Industrie- und Konsumprodukte
    Griffe, weiche Bedienzonen, Schutzgehäuse, Rollen, Puffer oder funktionale Designkomponenten. Neben technischen Eigenschaften können hier Haptik, Farbe und Oberflächenwirkung eine wichtige Rolle spielen.

Die konkrete Materialwahl hängt stets von den Anforderungen der jeweiligen Anwendung ab. Faktoren wie Belastungsdauer, Temperaturbereich, Feuchtigkeit, Kontaktmedien, UV-Einwirkung, geforderte Härte und notwendige Rückstellkraft beeinflussen die Entscheidung für den geeigneten TPU-Typ.

Projektablauf von der Materialauswahl bis zur Serie

Ein strukturierter Projektablauf ist entscheidend, um technische Risiken frühzeitig zu erkennen und eine stabile Serienproduktion vorzubereiten. Mythentec verfolgt dafür einen klar definierten Ablauf, der technische Machbarkeit, Prozessstabilität und Dokumentation bereits in frühen Projektphasen berücksichtigt.

  1. Anfrage und technische Klärung
    In der Anfragephase werden die grundlegenden Anforderungen an das Bauteil erfasst. Dazu gehören technische Zeichnungen oder 3D-Daten, funktionale Anforderungen, geplante Stückzahlen sowie die späteren Einsatzbedingungen. Auch Anforderungen an Härte, Elastizität, Medienkontakt, Oberflächen, Dokumentation oder Reinraumfertigung werden berücksichtigt.
  2. Werkstoff- und Prozesskonzept
    Auf Grundlage der Anforderungen wird ein geeigneter TPU-Typ ausgewählt. Dabei werden unter anderem Härte, mechanische Belastung, Temperaturbereich, Feuchtigkeit, Kontaktmedien und UV-Einwirkung berücksichtigt. Bei Mehrkomponentenbauteilen wird zusätzlich die Kompatibilität mit dem Trägerwerkstoff bewertet.
  3. Bauteil- und Werkzeugabstimmung
    In dieser Phase werden Bauteilkonstruktion und Werkzeugkonzept aufeinander abgestimmt. Ziel ist eine werkstoffgerechte Geometrie sowie eine wirtschaftliche und stabile Serienfertigung. Wanddicken, Radien, Entformungsschrägen, Anschnittpositionen, Entlüftung und Auswerferkonzept werden unter Berücksichtigung der gewählten TPU-Härte bewertet.
  4. Werkzeugbau, Bemusterung und Optimierung
    Nach Fertigstellung des Werkzeugs werden erste Musterteile produziert. Dabei werden Formfüllung, Entformung, Oberfläche, Masshaltigkeit und funktionale Eigenschaften überprüft. Falls erforderlich, werden Bauteil, Werkzeug oder Prozessparameter gezielt optimiert. Bei Hart-Weich-Verbindungen kann auch die Haftung zwischen den Komponenten geprüft werden.
  5. Prozessabsicherung und Freigabe
    Im Rahmen der Prozessabsicherung wird ein belastbares Prozessfenster definiert. Relevante Parameter wie Materialtrocknung, Temperaturführung, Einspritzprofil, Nachdruck und Kühlzeit werden dokumentiert. Nach erfolgreicher technischer und qualitativer Bewertung erfolgt die Freigabe für die Serienfertigung.
  6. Serienanlauf und laufende Betreuung
    Die Produktion wird unter definierten Bedingungen aufgebaut und durch geeignete Prüf- und Überwachungsmassnahmen begleitet. Während der Serienphase unterstützt Mythentec bei Anpassungen, Requalifizierungen oder technischen Änderungen.
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